Anklage gegen Glaeseker

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Anklage gegen Glaeseker

Beitrag  Oldoldman am Mi 06 März 2013, 13:56

das Eingangsposting lautete :

Während in Bayern der Fall Mollath für Aufsehen und auch politischen Wirbel sorgt, bekommt der Rest der Republik einen neuen-alten Fall vorgesetzt. Inzwischen ist bestätigt, daß die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift mit dem Antrag, das Hauptverfahren zu eröffnen, übersandt hat.

vgl.: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ex-wulff-sprecher-glaeseker-staatsanwaltschaft-erhebt-anklage-a-887206.html
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/filmproduzent-uebernahm-400-euro-hotelkosten-fuer-christian-wulff-a-886567.html

Und gleich wird auch ein Dilemma offenbar:

Die Ermittlungen im Umfeld von Glaeseker waren wohl doch nicht so eindeutig. Was anfangs eher als eine Zweckgemeinschaft gesehen wurde, war wohl doch mehr eine persönliche Freundschaft. Und damit wird gewährte Gastfreundschaft der Vorteilsgewährung entrückt. Aber stellt die Staatsanwaltschaft ein, dann hat sie in den Augen der Öffentlichkeit der Korruption durch Nichtverfolgung Vorschub geleistet. Entsprechendes gilt für ein Gericht, das die Anklage nicht zuläßt. Andererseits wären sie (Staatsanwaltschaft und Gericht), wenn der Sachverhalt nicht die hinreichende Verurteilungswahrscheinlichkeit bietet, geradezu verpflichtet, das Ermittlungsverfahren einzustellen.

vgl.: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/anklage-gegen-frueheren-wulff-sprecher-glaeseker-ohne-jeden-drang-nach-luxus-12104177.html,
wo das Problem zumindest angesprochen wird.

Also lieber die Akteure mit einer Hauptverhandlung überziehen, um sich selbst nicht den schlimmeren Vorwürfen, Korruption zu decken, auszusetzen? Oder läßt sich die Kritik am Kachelmann-Verfahren ("eine Anklage, die nie hätte erhoben werden dürfen") auch auf dieses Verfahren übertragen?
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Oldoldman

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Hi, Lobelie

Beitrag  stringa am Sa 06 Apr 2013, 13:44

Das Verrückte ist, daß ich den Herrn Blome manchmal durchaus gut finde, zuweilen in Talkshows, aber auch in Augstein und Blome (kommt immer für 10 Minuten auf Phoenix, direkt vorm Presseklub sonntags). Die beiden sind durchaus amüsant und hörenswert.
Ich halte den Herrn Blome für einen sehr intelligenten nachdenklichen Typ. Natürlich um so schlimmer, wenn man sein Machwerk betrachtet.
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stringa

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Geht mir auch so:

Beitrag  Lobelie am Sa 06 Apr 2013, 14:45

der Mensch Blome ist mir sympathisch, Humor hat er auch - aber daß so jemand in der Lage ist, für das Produkt verantwortlich zu sein, das er herstellen läßt und teilweise selber herstellt, fasse ich einfach nicht. Das verrät doch einen Zynismus, der mir dann eher unsympathisch ist.

Leider sind es aber keine inhaltlichen Gründe (die Hexenjagd auf Wulff, die Lakotta-Mollath-Pleite, die Boulevardisierung beider Erscheinungsformen des SPIEGEL), die die Ablösung erforderlich werden ließen, sondern Streit zwischen den Chefredakteuren, wirtschaftliche Verluste und ruppiger Führungsstil von Mascolo.

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article115053037/Paukenschlag-beim-Spiegel-Chefredakteure-muessen-gehen.html

O Wunder!

http://www.focus.de/kultur/medien/chefredaktion-vor-abloesung-der-spiegel-nimmt-abschied-von-der-doppelspitze_aid_954531.html

Mit Heribert Prantl oder Jakob Augstein würde der SPIEGEL wieder zum kritischen Sturmgeschütz der Demokratie...

Ich bin es nämlich satt, im SPIEGEL über Seiten zu lesen, die Deutschen sollten sich gefälligst von ihrer Geschichte lösen und Krieg als normales Mittel der Politik betrachten. Das liefert schon Josef Joffe seit Jahren ab. Prantl hat zum Fall Mollath schon einige grimmige Kommentare gegen Justiz und Politik geschrieben, wenn er auch im Fall Kachelmann daneben lag. Da dürfte ihn Leyendecker falsch unterrichtet haben.

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Um Himmels Willen!

Beitrag  Lobelie am So 07 Apr 2013, 10:25

Jetzt tobt der Geschlechterkampf beim SPIEGEL...

http://www.focus.de/kultur/medien/chefredaktion-vor-abloesung-lagerkampf-zwischen-maennern-und-frauen-beim-spiegel_aid_954969.html

Und die Redaktions-Frauen wollen eine Quotenfrau, die esoterischen Quark verbreitet wie diesen hier:

http://www.miriammeckel.de/2013/03/08/wie-sie-leuchtet/

Eine Frau, die das Zeitungs- und Online-gewerbe nur als Leserin und Bloggerin kennt und schon im vergleichsweise beschaulichen Uni-Milieu einen burnout bekommt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Miriam_Meckel

Langsam wird es lächerlich.
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Je nun, Lobelie

Beitrag  stringa am So 07 Apr 2013, 11:11

schlimmer als ein Müller von Blumencron kann sie auch nicht sein. (Ich weiß schon, warum ich ein ausgeprägtes Vorurteil gegen Doppelnamen habe Very Happy )

Vorteil bei ihr - sie scheint sich mit den Mechanismen im Net auszukennen. Und das Problem des Spiegel wie aller Online-Zeitschriften ist ja natürlich, daß da früher oder später Bezahl-Inhalte dazukommen werden. Gute Zeitschriften-Inhalte gratis ist halt auf Dauer nicht möglich. Ich wunder mich sowieso, wie lange die alle bisher existieren. Das geht doch nur, weil die Journalisten teilweise ausgebeutet werden oder andersrum, die Inhalte auf den online-Zeitschriften dann in einer halben Stunde runtergekloppt werden. Und das merkt man denn ja auch.

Nachteil bei ihr - sie hat die Vokabel "Schwestern" benutzt (im Artikel, auf den du verlinkt hast). Das macht mich schon mal per se mißtrauisch. Und sie hatte einen Burnout, den sie auch noch umtriebig vermarktet. Diese beiden Fakten (Burnout und Vermarktung) gehen meiner Ansicht nach nicht zusammen. Nur eins von beiden kann echt sein Twisted Evil
Und wenn ich schon einen Burnout gehabt hätte, würde ich mich hüten, so einen Job anzunehmen, der extrem schwierig zu sein scheint.

Immerhin, sie kommt aus Düsseldorf, Lobelie Very Happy
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Was meinst du jetzt mit Düsseldorf?

Beitrag  Lobelie am So 07 Apr 2013, 12:00

Nachdem ich 1975 nach Köln gezogen war, scholl mir des öfteren der verballhornte Schlager entgegen: ›Wärst du Dussel doch im Dorf geblieben...‹ Very Happy
Also, das ist kein positiver Standort- bzw. Herkunftsfaktor - jedenfalls nicht überall. Very Happy

Nein, Frau Meckel ist völlig unqualifiziert für diese Aufgabe: sie kann Fernsehen, Politik und Uni - die rauhe Luft der Wirtschaft und des Blattmachens (ob Print, ob online) ist ihr völlig fremd.
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Es wird immer doller!

Beitrag  Lobelie am Mo 08 Apr 2013, 15:27

Im TAGESSPIEGEL las ich heute, daß Nikolaus Blome (BILD) für die Chefredaktion des SPIEGEL im Gespräch sei. Das wundert mich eigentlich nicht.

Mascolo hat ja mit dem aktuellen Titel ›Kim Jong Bumm. Nordkoreas verrückter Atomkrieger‹ ja entsprechend vorgelegt.
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Zuweilen

Beitrag  stringa am Mo 08 Apr 2013, 16:00

gibts sogar beim Spiegel Artikel, die ich gut finde. Leider kein Autor festzustellen (Ist auch so eine Unsitte)

http://libertalia.forumieren.com/t43p200-sind-die-milliarden-des-esm-eigentlich-echtes-geld#13820
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In der Print-Ausgabe der SZ

Beitrag  Lobelie am Mo 08 Apr 2013, 17:39

gibt es noch viel ausführlichere Darlegungen - aber das hier gibt schon einmal einen Überblick über die Art und Weise, wie das Verfahren gegen Wulff geführt wurde:

http://www.sueddeutsche.de/politik/der-fall-wulff-spuren-nach-absurdistan-1.1642572

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Ja, da kriegt der arme Kerl noch mal eins drauf

Beitrag  stringa am Mo 08 Apr 2013, 18:09

Da führt man lang und breit aus, wie lächerlich doch das ganze Prozedere gewesen ist (nicht daß ich mich erinnere, einen solchen Artikel damals beim fröhlichen Jagen gelesen zu haben), aber nun muß ja ein Grund für diese Hatz her und der lautet offenbar, Herr Wulff könnte heute noch Bundes-Prasident sein, wenn er sich nur geschickter verhalten hätte.

Das hätten Machiavelli und deutsche Gerichte auch nicht besser gekonnt -
das Opfer ist eigentlich schuld!
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Dabei

Beitrag  Lobelie am Mo 08 Apr 2013, 18:32

ist doch völlig klar, warum Wulff nichts über sein Verhältnis zu Geerkens, den Erbvertrag, das Kümmern um die Kinder etc. gesagt hat: das ist nun wirklich privat, genauso wie der Zustand der Finanzen, wenn Mann nach einer Scheidung gerupft wird.

Das schöne Wort "Krisenmanagement" bedeutet ja nichts anderes als: nicht der shitstorm trägt die Verantwortung, sondern die Art und Weise, wie ›professionell‹ ein unschuldig davon betroffenes Opfer damit umgeht. Mit dem Hauskredit fing schließlich alles an, und der ging wirklich niemanden etwas an.

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Show-Justiz

Beitrag  Lobelie am Fr 12 Apr 2013, 09:57

Jan Fleischhauer zum Verfahren der StA Hannover gegen Wulff:

Wie soll man das eigentlich nennen, wenn die Fernsehteams schon in Position sind, bevor die Handschellen klicken? Oder wenn, wie im Fall der Steuerermittlungen gegen die Deutsche Bank und deren Vorstand Jürgen Fitschen, Hunderte schwer bewaffnete Polizisten das Foyer stürmen, als gehe es darum, eine Qaida-Filiale auszuheben? Mit der Rechtspflege, wie sie im Vorlesungssaal gelehrt wird, hat diese Art der Show-Justiz jedenfalls wenig zu tun.

Als Staatsanwalt geht man einfach zum nächsten Fall über


Für die Ermittler bleibt ihr Vorgehen ohne Risiko. In jedem anderen Beruf fällt es irgendwann auf die Handelnden zurück, wenn sie in ihren Einschätzungen grob daneben lagen. Als Staatsanwalt geht man einfach zum nächsten Fall über. Weil niemand sagen kann, wie viele wirklich Kriminelle in der Zeit unbehelligt blieben, als zwei Dutzend Beamte dem ehemaligen Bundespräsidenten hinterherstiefelten, interessiert auch die Verschwendung von Steuergeldern nicht, die normalerweise immer geeignet ist, das Publikum aufzubringen.

Heribert Prantl hat in der "Süddeutschen Zeitung" daran erinnert, dass dem "Ermittlungsexzess" der Staatsanwaltschaft der "Skandalisierungsexzess" in den Medien vorausging. Der eine befeuert die Leidenschaft des anderen. Was Prantl unerwähnt lässt, ist die Kooperationsgemeinschaft zum gegenseitigen Nutzen, die sich abseits jeder Strafprozessordnung etabliert hat und ohne die das Maß der Dauerskandalisierung gar nicht denkbar wäre.
Keine Ahnung, wie es im Fall Wulff gelaufen ist, aber zu den schmutzigen Geheimnissen der politischen Justiz gehören die Hinterzimmergeschäfte, bei denen Staatsanwälte aus den Ermittlungsakten ihnen bekannte Journalisten füttern, um eine genehme Berichterstattung sicher zu stellen. Nur die Uneingeweihten gehen bei interessanten Verfahren über die Pressestelle, wenn sie Details zum Verfahrensstand wissen wollen, die Profis haben die Handy-Nummer der mit der Sache betrauten Ermittler. Damit schließt sich der Kreis. Das Urteil ist am Ende nur noch Formsache. Wenn der reguläre Prozess beginnt, ist der Verdächtige längst erledigt.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jan-fleischhauer-zu-den-ermittlungen-im-fall-wulff-a-893775.html

... hätte ich auch im Kachelmann-Strang posten können.
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Jetzt

Beitrag  Lobelie am Fr 12 Apr 2013, 14:35

haben sie die vorbereitete Anklage erhoben (da hat die Staatsanwaltschaft wohl geahnt, daß es keine Zustimmung zur Einstellung gemäß § 153 a StPO geben würde):

http://www.sueddeutsche.de/politik/ex-bundespraesident-staatsanwaltschaft-erhebt-anklage-gegen-wulff-1.1647214

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"Die Entscheidung könnte Monate dauern"

Beitrag  stringa am Fr 12 Apr 2013, 16:57

So das Landgericht Hannover. Jou, mit DER Entscheidung würde ich mir auch Zeit lassen Very Happy .
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