Altes - neu entdeckt

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Altes - neu entdeckt

Beitrag  stringa am Mi 03 Apr 2013, 15:05

Very Happy
Ja, so einen Fall habe ich zur Zeit am Wickel. Herman Melville, ja, ganz recht, der mit dem Wal, der Verfasser von "Moby Dick".

Ich habe entdeckt, daß der Mann ja noch viele andere Romane und Geschichten geschrieben hat, von seinem Leben mal ganz abgesehen, daß auch einigermaßen verwunderlich war, eigentlich gradezu rätselhaft.

Er stammte aus einer relativ wohlhabenden Ostküsten-Familie, die durch Insolvenz in bedrängte Verhältnisse geriet, er selbst führte nach vergeblichen Versuchen, eine berufliche Existenz zu finden, 4 - 5 Jahre das Leben eines vagabundierenden Seemanns, bis er dann wieder in den Schoß der Familie zurückfand und dank der Großzügigkeit seines Schwiegervaters ein langes, langes bürgerliches Leben führte. Seine Abenteuer-Jahre hat er dann in seinen Büchern und Geschichten verarbeitet. Aber mit dem Spannungsverhältnis zwischen dem Leben auf Schiffen und anderen Kulturen, das man sich gar nicht krass genug vorstellen kann und dem nach Normen festgelegten Leben in Neu-England ist er wohl nicht immer richtig klar gekommen.

Jedenfalls habe ich einen Erzählungs-Band von ihm in die Hand bekommen und meine Güte - was für Geschichten. Der Stil mag vielleicht nicht der Beste sein, ist vor allem extrem langatmig manchmal, aber der Inhalt ist toll. Man glaubt ihm jedes Wort und ist fasziniert von den Personen und Verhältnissen, die damals herrschten. Ich bin grade bei einer Geschichte, die davon handelt, daß ein Sklavenschiff auf dem Weg nach Südamerika einen Aufstand erlebte und die Sklaven nun die Herrschaft über die weiße Mannschaft antritt. Natürlich brauchen sie aber die weiße Mannschaft, um das Schiff zu führen. In dieser Situation treffen sie auf ein amerikanisches Schiff, und da Wasser und Proviant fast nicht mehr vorhanden sind, wird der gefangene Kapitän hervorgeholt und soll den amerikanischen Kapitän um Hilfe bitten. Natürlich soll der nicht merken, was da auf dem Sklavenschiff vorgegangen ist.
Die Erzählung ist aus dem Blickwinkel des amerikanischen Kapitäns geschrieben und umfaßt die 2 Tage, die die Schiffe nebeneinander ankern.
Was für ein Plot, was für eine faszinierende Situation, was für eine grandiose Geschichte !

In dem Band gibts dann noch die Geschichte vom Schreiber, dem sein Beruf nicht mehr "genehm" war, die Geschichte von dem Mann, der sein Traumhaus suchte und und und...

Ich hatte natürlich Moby Dick gelesen, aber stelle voller Vorfreude fest, daß mir noch einiges spannende Lesefutter bevorsteht.
Wird vielleicht bei anderen Autoren auch so sein, also auf, zurück in die Vergangenheit Very Happy !
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Wer den Wal hat, hat die Qual....

Beitrag  Oldoldman am Di 09 Apr 2013, 10:09

Werbeplakate am Straßenrand - ein Anachronismus? Nein, sie verfehlen ihre Wirkung nicht. Eigentlich ist es zunächst nur der Farbklecks, der im Gedächtnis verhaften bleibt. Und dann, an der nächsten roten Ampel beginnt man zu lesen...


Was ein Glück, daß die Faschingszeit schon lange vorbei ist. Sonst hätten u. U. die Veranstalter dieser Ausstellung auch noch eine 'Narrwahl' initiiert...
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Oldoldman,

Beitrag  stringa am Di 09 Apr 2013, 10:20

heißt das, da werden bei Euch wirklich echte ausgestopfte Viecher gezeigt? Ist ja krass! Wenn dem so ist, hört sich an, als wäre dieses Projekt wirklich der Phantasie von Käpt'n Ahab entsprungen.

Das würde dann auch den Narwahl erklären. Mit der Rechtschreibung hatten die Leute es früher nicht so. Very Happy
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Ein Narr, dem dabei dieses einfällt....

Beitrag  Oldoldman am Di 09 Apr 2013, 10:21

Ich bin ja nicht nur der garstige alte Mann, sondern auch noch einfältig. Ich höre Protest? Stimmt, inzwischen sind es viele Falten, nicht nur im Gesicht. Ich kann sogar den Bauch in Falten legen. Ich bin also eher vielfältig pirat
Und so hat mich das gute alte Werbeplakat aus akutellem Anlaß auf den dummen Gedanken gebracht, daß politisch Verantwortliche den 'Dreckfuhler' auf dem Werbeplakat

vgl.: http://libertalia.forumieren.com/t143-altes-neu-entdeckt#13831

'einkaufen' könnten, um das Wahlvolk zu animieren, dem staatsbürgerlichen Recht bei der kommenden Kommunalwahl etwas zahlreicher nachzugehen:


Auch so wird Altes neu entdeckt.
lol!
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@stringa: Ich habe keine Ahnung...

Beitrag  Oldoldman am Di 09 Apr 2013, 10:58

... was die da zeigen wollen. Die Ankündigung läßt in der Tat den Verdacht aufkommen, es würden ausgestopfte Tiere gezeigt. Unter Umständen sind es aber auch nur Modelle im Maßstab 1 : 1, die da in einem Zirkuszelt gezeigt werden. Die Idee könnte wirklich von Käpt'n Ahab stammen. Das Irre dabei ist, die Besucher des hier am Orte weniger bekannten Zoologischen Museums bekommen Walskelette von Tieren gezeigt, die an der Westküste gestrandet und verendet sind. Fein säuberlich aufgebereitet sind sie aufgestellt und ein Pottwal von, ich meine, 10 Metern Länge hängt von der Decke...

Den erheiternden Schreibfehler rechne ich allerdings den Nachlässigkeiten des hiesigen Bildungssystem zu....

Das Wahlbüro der Stadt, auf meinen Vorschlag aufmerksam gemacht, war erheitert und konnte sich eine derartige Weiterverwendung der Plakate nach dem Ende der Ausstellung durchaus vorstellen....
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Stimmt, ihr müßt (dürft) ja wählen im Mai

Beitrag  stringa am Di 09 Apr 2013, 11:40

so etwas geht denn doch komplett an einem vorbei, wenn die Entfernung zu groß wird.

Ich habe mich aus gegebenem Anlaß mal in die Untiefen der Kieler Kommunalpolitik begeben und ein bißchen gestöbert. So wie es sich mir darstellt, braucht ihr doch eigentlich keine Werbung für die Wahl mit dem Wal. Ihr braucht doch gar nicht wählen, da Kiel offenbar SPD-Stadt ist und bleiben wird.

"Stabile Mehrheitsverhältnisse" so nennt sich das auf den entsprechenden Seiten.

Das Hauen und Stechen wird sich wohl eher in den einzelnen Stadtteilen abspielen. Habe gelesen, daß man in Kiel-Mettmann-Hasseldieksdamm (was für ein schöner Name, wir haben übrigens Verwandte dort) die CDU-Kandidatin abgewählt oder nicht abgwählt oder neu aufgestellt hat.

"...Am selben Abend hatte die CDU Kiel im Rahmen eines Sonderparteitages die Abwahl der bisherigen Kandidatin für den Wahlkreis 11 abgewählt und auf Antrag des Ortsverbandes Mettenhof/ Hasseldieksdamm als neue Kandidatin die Studienrätin Sakine Cyron aufgestellt. ...."

Ich verstehe den Satz nicht so recht, aber es klingt nach Zoff.

Na, denn mal auf zum fröhlichen Wa(h)l-Fang! Very Happy


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Tja, stringa, HIER ist was los...

Beitrag  Oldoldman am Di 09 Apr 2013, 12:19

Allerdings hat der betroffene Stadteil nichts mit Mettmann zu tun Wink
Kieler CDU-Kreisparteitag
Cyron folgt auf Muszynski
Von Jürgen Küppers | 23.03.2013 11:33 Uhr

Es dürfte einer der schmerzhaftesten Parteitage in der Geschichte der Kieler CDU gewesen sein. Schließlich sollte ein zunächst verdientes und dann der Wahlmanipulation verdächtigtes Parteimitglied nicht länger Direktkandidatin für den Wahlkreis 11 (Mettenhof-West) sein dürfen. Quälende 83 Minuten dauerte die Tortur am Freitagabend im Maritim-Hotel Bellevue, bis die Abwahl von Wieslawa Muszynski vollzogen war. Ihre Nachfolgerin ist Sakine Cyron.

Kiel. Doch wer von ihr demutsvolle Worte oder gar eine Entschuldigung erwartet hatte, wurde enttäuscht. Brüsk wies sie alle Vorwürfe der Wahlmanipulation (wir berichteten bereits mehrfach) zurück: „Ich habe keine Wahlfälschung begangen und hatte auch nicht die Absicht dies zu tun.“ Aus diesem Grunde halte sie ihre Kandidatur weiter aufrecht. Doch es half nichts. Mit großer Mehrheit (71 von 84 gültigen Stimmen) wählten die CDU-Mitglieder des Kieler Kreisverbandes die im Januar dieses Jahres aufgestellte Direktkandidatin für die Kommunalwahl im Mai wieder ab. Unmittelbar danach bestimmten die Christdemokraten bereits eine Nachfolgerin für Wieslawa Muszynski. Neue Direktkandidatin für den Wahlkreis 11 ist nun Sakine Cyron (32), Gymnasiallehrerin an der Heikendorfer Herinrich-Heine-Schule und Mitglied im Vorstand des CDU-Ortsverbandes Mettenhof-Hasseldieksdamm.
_________
vgl.: http://www.kn-online.de/Lokales/Kiel/Cyron-folgt-auf-Muszynski
Dem vorausgegangen war das:
Kommunalwahl
Wahltäuschung bei der Kieler CDU?
22. Januar 2013 | 07:58 Uhr | Von Margret Kiosz

Eigentlich wollte die Kieler CDU nur die Kandidaten für die Kommunalwahl aufstellen. Dann kam es zu einem Eklat.

Kiel. Es war 20 Uhr. Sechs Stunden hatten die Delegierten der Kieler CDU am Sonnabend schon diskutiert und abgestimmt - über die Kandidaten für die Kommunalwahl im Mai. Dann der Eklat: Die Delegierte Kristina Herbst meldet sich zu Wort und berichtete von Wahltäuschung. Ein Partei"freund" habe zwei Wahlscheine abgegeben. "Diese Beobachtung werde ich - wenn gewünscht - unter Eid bezeugen", so Herbst. Ganze Stapel mit Blanko-Wahlscheinen sollen sich einige Delegierte besorgt und ausgefüllt haben. Als dann, provoziert von CDU-Granden, die Worte "Wahlbetrug" und "Wahlanfechtung" die Runde machten, zog der Tagungspräsident die Notbremse. Die Sitzung wurde abgebrochen. Die schon abgeschlossenen Wahlvorgänge müssen allesamt wiederholt werden.

"Die Entscheidung war richtig, zur späten Stunden konnten wir die Vorwürfe nicht abschließend klären", sagt Kreis-Chef Thomas Stritzl. "Ich will nicht, dass es auch nur den Anschein gibt, dass da irgendetwas nicht rechtmäßig gelaufen ist", betonte der Jurist, der für die Union jahrelang im Landtag saß und jetzt ein Bundestagsmandat anstrebt.

40 Neumitglieder boxen Kandidaten durch

Dabei hat Stritzl mit ungewöhnlichen Wahlvorgängen in Kiel bereits Erfahrung. Das Gerangel um günstige Plätze für die Kommunalwahlen bescherte ihm jüngst sogar einen neuen Mitgliederrekord: Im Ortsverband Kiel Mettenhof - einer sozial nicht unproblematischen Hochhaussiedlung am Rande der Stadt - war im November der langjährige Ortsverbandsvorsitzende Dirk Schrödter bei der Kandidatur für einen Rathaussitz ausgebootet worden. Ausschlaggebend waren dabei die Stimmen von 40 Neumitgliedern mit osteuropäischem Migrationshintergrund und deutschem Pass, die kurz nach ihrem Parteieintritt den Ortsverein aufmischten und Wieslawa Muszynski durchboxten. "Viele Neumitglieder - darunter ein großer Familienclan von Kosovo-Albanern - verstand kein Wort Deutsch. Das war ein Putsch, um den Ortsverband zu kapern", berichtet ein CDU-Mann.

Ihn erstaunt nicht, dass ausgerechnet Muszynski jetzt auf der Eklat-Sitzung vom Sonnabend beim Wahlbetrug erwischt worden sein soll. Bei vielen Mitgliedern herrsche blanke Wut. "Was hier passiert ist, bringt das Fass zum Überlaufen." Zumal die Partei nicht nur mit Schrödter einen Hoffnungsträger verloren habe, sondern auch Norbert Baier mit seiner Kandidatur scheiterte. Das Rennen machte der aus dem Kosovo stammende Historiker Nue Oroshi.

"Die Mehrheit entscheidet"

"Ja, wir hatten spürbare Neueintritte", räumt der nicht unumstrittene Stritzl ein. Sein 780 Köpfe zählender Kreisverband habe kürzlich bei der Zahl der Neumitglieder im Norden ganz vorn gelegen. "Das ist so in der Demokratie, die Mehrheit entscheidet", betont Stritzl. Der Bitte einiger Kollegen, die Vorentscheidung im Ortsbeirat Mettenhof auf Kreisebene zu korrigieren, habe er abgelehnt. "Wenn das Votum ordnungsgemäß gefallen ist, gibt es da nichts zu korrigieren." Und überhaupt, wenn die CDU sich modern und großstädtisch aufstellen wolle, könne man Menschen mit Migrationshintergrund nicht ausblenden. Allein in Kiel leben fast 50.000. "Auf die kann unsere Partei nicht verzichten", so Stritzl.

Eine Position, die nicht alle teilen. "Integration ja, aber kaputtschlagen nein", so die Devise zahlreicher Rebellen, die inzwischen auch am Stuhl des Kreis-Chefs sägen. Ihr Vorwurf, Stritzl decke den "Mettenhof-Putsch, um seine politische Zukunft zu sichern".

Ein Ende des Streits ist nicht in Sicht. Jetzt soll zunächst die Staatsanwaltschaft bemüht und ein Parteiausschlussverfahren gegen Wieslawa Muszynski gestartet werden. Und dann wird neu gewählt. Diesesmal hoffentlich richtig. Bis zum 8. April ist noch Zeit. Dann müssen die Wahlvorschläge eingereicht sein.
_____________
http://www.shz.de/nachrichten/schleswig-holstein/landespolitik/artikeldetail/artikel/wahlbetrug-cdu-bricht-sitzung-ab.html
Der Satz "Dabei hat Stritzl mit ungewöhnlichen Wahlvorgängen in Kiel bereits Erfahrung." enthält dabei mehr Wahrheit, als der Leser glaubt. Denn es gab vor vielen, vielen Jahren in der Jungen Union einen überraschenden Führungswechsel im Ortsverband Kiel. Der zu wählende Vorsitzende hatte in jedem Falle (wegen der Bedeutung des OV) gute Chancen als JU-Vorstand einen aussichtsreichen Listenplatz für die Landtagswahl zu bekommen. Just fristgerecht vor der Vorstandswahl waren bei der JU zahlreiche Eintritte zu beobachten.... In der Kampfabstimmung zwischen dem bisherigen Amtsinhaber erhielt der von Außen kommende Gegenkandidat - ein Herr T. S. - überraschend die Mehrheit und wenig später entdeckten zahlreiche der Neueintritte, daß diese Parteijugendorganisation doch nicht ihre politische Heimstadt ist...

Der von Demokritxyz/S.P. geprägte Begriff "Schauspieldemokratie" ist durchaus passend, auch wenn die hier gezeigten Beispiele in ihrer Machart eher an eine Laienschauspieltruppe erinnern. Tja, 'Wahlfang' ist ein 'blutiges' Geschäft. Leider ermangelt es hier einer Truppe 'democracy shepherd' Der Hammer!

Nachsatz:
Auch so kann man Altes völlig neu entdecken...


Zuletzt von Oldoldman am Di 09 Apr 2013, 12:32 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet (Grund : Nachsatz angefügt.)
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Und wieder etwas dazugelernt:

Beitrag  Lobelie am Di 09 Apr 2013, 12:40

Der "Mettenhof-Putsch"!

Aber das ist auf Ortsvereins-Ebene ganz normal: wenn es um Wahlen geht, werden die Alten und Kranken zur Versammlung gekarrt, die man das ganze Jahr über nie gesehen hat, und die wählen dann diejenigen Kandidaten, die sie schon kennen und immer schon gewählt haben.

Was den Nar-Wahl angeht: demnächst muß ich unbedingt mal wieder die Kamera mitnehmen und auf dem Markt oder im Gemüsegeschäft die beliebten Wall-Nüsse fotographieren, neben den ebenso beliebten Champions.
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Oh, hoppla,

Beitrag  stringa am Di 09 Apr 2013, 13:21

natürlich meinte ich Mettenhof, weiß auch nicht wieso mir da Mettmann dazwischen gekommen ist.

Ja, sag ich doch, richtig was los ist bei den Parteien hauptsächlich auf der unteren Ebene, jedenfalls so, daß man's auch als Bürger mitbekommt.

Ich nehme natürlich nicht an, daß das Hauen und Stechen in den oberen Etagen nicht stattfindet, aber da findet es in irgendwelchen Hinterzimmern statt, wo ich nix davon habe Laughing

Übrigens, was die Methode des Stimmenfangs zur Kandidatenaufstellung angeht, da kann Kiel noch was lernen. In der Reihe "Altes - neu entdeckt" kann ich nur empfehlen, mal wieder den guten alten Dickens zu lesen. In seinen Pickwickiern gibts ein wunderbares Kapitel über Wahlkampf in der britischen Provinz, man weint entweder still in sein Buch hinein oder lacht sich kaputt, je nach politischem Standort und Naturell. Mal sehen, ob ich noch ein paar Absätzchen finde und zitieren kann.

Da scheint sich nicht soviel geändert zu haben seitdem Laughing
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@Lobelie: Dann solltest Du unbedingt...

Beitrag  Oldoldman am Di 09 Apr 2013, 13:28

... Ohrenschützer beim nächsten Besuch im Gemüseladen aufsetzen.

Bei dem Gegröle...



(nicht auszuhalten...)
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Champions, super, Oldoldman

Beitrag  stringa am Di 09 Apr 2013, 13:57

Very Happy Very Happy

Hier noch der versprochene Nachtrag zu den Wahlen im Ortsverein:

....Es scheint, als ob die Bewohner von Eatanswill, wie die so mancher andern Kleinstädte, eine außerordentlich hohe Meinung von ihrer Wichtigkeit hatten. Jedermann daselbst schien sich für verpflichtet zu halten, mit Leib und Seele zu einer der beiden großen Parteien des Städtchens, den Blauen und den Gelben, zu gehören. Die Blauen ließen keine Gelegenheit vorübergehen, wo sie den Gelben entgegentreten konnten, wie auch die Gelben jede Gelegenheit ergriffen, mit den Blauen Händel anzufangen. Die Folge davon war, daß es jedesmal zu skandalösen Auftritten kam, wenn die Gelben und Blauen auf dem Rathaus, dem Markte oder bei Versammlungen auf öffentlichen Plätzen zusammentrafen. Bei diesem Mangel an Harmonie wurde jede Angelegenheit in Eatanswill zur Parteifrage. Wenn die Gelben den Vorschlag machten, den Marktplatz mit neuen Laternen zu versehen, so riefen die Blauen zu öffentlichen Versammlungen auf und brachen den Stab über den wahnsinnigen Plan. Wenn die Blauen noch einen Brunnen in der Hauptstraße anlegen wollten, so schrien die Gelben, einer für alle und alle für einen, über Verrücktheit. Es gab blaue Läden und gelbe Läden, blaue Wirtshäuser und gelbe Wirtshäuser; es gab sogar einen blauen Flügel und einen gelben Flügel in den Kirchen......



....."Ein heißer Kampf, mein werter Herr!"

"Ich bin entzückt, das zu hören", versetzte Mr. Pickwick und rieb sich die Hände. "Ich sehe nichts lieber als Betätigung des Patriotismus, gleichviel, bei welcher Partei! – Ein heißer Kampf also?"

"Freilich, freilich", antwortete der kleine Anwalt. "Sehr heiß. Wir haben alle Gasthäuser für unsere Partei mit Beschlag belegt und unsern Gegnern nichts als die Bierschenken gelassen, ein vorzüglicher Staatsstreich, mein werter Herr, nicht wahr?" Der Kleine lächelte selbstgefällig und nahm eine tüchtige Prise.

"Und was wird wohl das Ergebnis des Kampfes sein?" fragte Mr. Pickwick.

"Noch zweifelhaft, mein werter Herr; ziemlich zweifelhaft bis jetzt. Fizkins Leute halten dreiunddreißig Wähler im ,Weißen Hirsch' im Wagenschuppen eingeschlossen."

"Im Wagenschuppen?" fragte Mr. Pickwick erstaunt.

"Sie haben sie dort eingesperrt, bis sie sie nötig haben. Der Zweck ist, wie Sie sehen, daß wir ihnen nicht beikommen sollen, und selbst wenn wir es könnten, würde es nichts helfen, denn sie haben sie absichtlich betrunken gemacht. Ein tüchtiger Mensch, Fizkins Agent, sehr tüchtig!" Mr. Pickwick schwieg betroffen.

"Und doch haben wir ziemliche Hoffnung", fuhr Mr. Perker fort und dämpfte seine Stimme bis zum Geflüster. "Wir haben eine kleine Teegesellschaft hier gehabt, gestern abend. – Fünfundvierzig Frauen, mein werter Herr, und wir haben jeder einen grünen Sonnenschirm zum Andenken geschenkt, als sie nach Hause gingen.".....



...."Nun, Sam", sagte Mr. Pickwick, als sein Bedienter in das Schlafzimmer trat, "heute ist alles lebendig, denke ich?"

"Reguläres Wettrennen, Sir", antwortete Mr. Weller. "Unsre Leute halten heute Versammlung drunten im ,Stadtwappen' und haben sich bereits heiser gejohlt."

"So?" sagte Mr. Pickwick. "Sie sind wohl ihrer Partei sehr ergeben?"

"Tag meines Lebens, noch keine solche Ergebenheit gesehen, Sir."

"Jeder stellt seinen Mann. Nicht wahr?"

"Ungemein", erwiderte Sam. "Hab mein Leben Menschen noch nich so viel essen und trinken sehen. Nimmt mich wunder, daß sie nich platzen."

"Vermutlich eine übelangebrachte Freigebigkeit der hiesigen Honoratiorenschaft", meinte Mr. Pickwick.

"Sehr möglich", erwiderte Sam kurz.

"Frische Gesellen scheinen es zu sein", bemerkte Mr. Pickwick, einen Blick aus dem Fenster werfend.

"Ungemein frisch", erwiderte Sam. "Ich und die zwei Kellner im ,Pfau' hatten die Independenten, wo gestern dort zu Nacht speisten, unter der Pumpe."

"Die Independentenwähler unter der Pumpe?"

"Tja. Jeder schlief, wo er grade hingefallen war. Wir haben se heute morgen aus dem Dreck gezogen, einen nach dem andern, und sie unter den Brunnen gestellt, alle in schönster Ordnung. Das Komitee hat 'n Schilling pro Stück gezahlt."

"Ist es denn möglich!" rief Mr. Pickwick ganz erstaunt.

"Mein Gott, Sir", sagte Sam, "wo sind Sie denn auf die Welt gekommen, daß Sie so was nich wissen? Das is doch noch gar nischt."

"Nichts?" fragte Mr. Pickwick.
"Noch gar nichts! Den Abend vor der letzten Wahl haben se das Schenkmädchen im ,Stadtwappen' bestochen, und die hat 'n Hokuspokus mit dem Brandy gemacht, wo sie den vierzehn Wählern einschenkte, wo im Hause über Nacht waren und noch nich abgestimmt hatten."

"Was soll das heißen, einen Hokuspokus mit dem Brandy?" fragte Mr. Pickwick.

"Hat 'n Schlaftränkchen reingegossen. Hol mich dieser und jener, wenn se nich alle wie die Ratzen schliefen, bis die Wahl schon zwölf Stunden vorüber war. Einen davon haben se auf 'n Schubkarren geladen und ins Stimmhaus gebracht, aber se konnten 'n nich hoch kriegen und mußten 'n wieder ins Bett bringen."

"Seltsame Kniffe das", sagte Mr. Pickwick, halb zu sich selbst, halb zu Sam.
"Noch nich halb so seltsam, Sir, wie die kuriose Geschichte, wo mal bei 'nem Wahlkampf hier meinem Alten passierte", versetzte Sam.

"Wieso das?"

"Na, er führte mal jemand her; die Wahlzeit war vor der Tür, und er wurde von der einen Partei bestellt, Wahlmänner von London abzuholen. Den Abend vorher läßt 'n das Komitee der andern Partei heimlich rufen, und er kommt in 'ne große Stube, vollgepfropft mit Herren, Haufen von Papier, Tinte, Federn und so weiter. ,Ah, Mr. Weller', sagte der Präsident, ,freue mir, Ihnen zu sehen, Sir; wie befinden Sie sich, Sir?' – ,Sehr gut, danke Ihnen, Sir', sagt mein Alter, ,hoffe, Sie sind auch wohlauf.' – .Recht wohl, danke Ihnen', sagt der Herr, ,setzen Sie sich, Mr. Weller, bitte setzen Sie sich.' – Mein Vater setzt sich, und die beiden – er und der alte Herr – glotzen sich an. Rennen Sie mir nicht mehr?' fragt der Herr – .Wüßte nicht', meint mein Alter. – .Aber ich kenne Ihnen', sagt der Herr, ,ich kannte Ihnen schon, wie Sie noch ganz klein waren.' – .Möglich, aber ich erinnere mir nicht mehr', sagt mein Vater. – ,Merkwürdig', sagt der Herr, .Sie müssen ein kurzes Gedächtnis haben, Mr. .' – ,So besonders ist es freilich nicht', sagt mein Vater. – ,Glaube ich Ihnen', sagt der Herr. – Na und dann schenkten sie ihm 'n Glas Wein ein, redeten mit ihm über sein Fuhrwerk, brachten ihn in gute Laune und zuletzt drückten sie ihn 'ne Zwanzigfundnote in die Hand. – ,Is kein schöner Weg von hier nach London', sagt der Herr. – ,Lausig!' sagt mein Alter. – .Besonders am Kanal, glaube ich', sagt der Herr. – ,Die Strecke ist freilich mehr als mulmig', sagt mein Vater. – ,Nun, Mr. Weller', sagt der Herr, ,Sie führen ja doch 'ne gute Peitsche und können mit ihren Pferden machen, was Sie wollen. Wir halten große Stücke auf Ihnen, Mr. Weller, und wenn Ihnen auf Ihrer Fahrt mit den Wahlmännern 'n kleiner Unfall zustoßen möchte, wenn Sie sie zum Beispiel in den Kanal schmeißen würden, ohne daß einer dabei zu Schaden käme, da würde das Geld Ihnen gehören', sagt er doch. – ,Meine Herren, Sie sind sehr gütig', sagt mein Vater ,und ich will mit noch ein Glas Wein Ihre Gesundheit betrinken', sagt er und tut es auch; dann schaufelt er das Geld ein und macht seinen Kratzfuß. – Sie werden es kaum glauben", fuhr Sam mit einem unverschämten Blick fort, "daß der Wagen, wie er am andern Tag mit den Wählern da längs kam, an derselben Stelle umschmiß und die Passagiere samt und sonders in den Kanal flogen."

"Sie kamen aber doch wieder heraus?" fragte Mr. Pickwick hastig.

"N – na", versetzte Sam gedehnt, "ich glaube, ein alter Herr ist vermißt worden; ich weiß nur, sein Hut kam wieder zum Vorschein, aber ob sein Kopf drin war oder nich, kann ich nich genau sagen. Aber was mir bei dem sonderbaren Zufall am meisten wundert, ist, daß der Herr voraussagte, daß mein Vater am selben Platz und am selben Tag umwerfen würde."....


Seien wir froh, daß wir in zivileren Zeiten leben, wo wenigstens die Methoden nicht mehr so krass sind. Laughing

P.S. Hier der Link dazu:
http://gutenberg.spiegel.de/buch/3412/14
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Also dagegen

Beitrag  Lobelie am Di 09 Apr 2013, 15:51

sind die kleinen Trix von Kiel bis Köln aber ein echter Langweiler! Very Happy
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Tja, Lobelie, das funktioniert aber nur...

Beitrag  Oldoldman am Mi 10 Apr 2013, 09:18

... beim Mehrheitswahlrecht. Was hätten die "Grauen Panter" davon, wenn sie die Fahrbereitschaft der CDU dahin bestechen würden, ganze Wagenladungen fußlahmer Wähler vor dem Erreichen des Wahllokals mitsamt dem Wagen im Hafenbecken zu versenken? Am Ende doch nichts. Sie blieben unter der 5%-Hürde und sorgten allenfalls dafür, daß zumindest nicht die CDU den Wahlkreis gewinnt... pirat
Obwohl...

Da gefällt mir die Brandy-Geschichte schon eher. Eigentlich muß man damit nicht einmal "Hokuspokus" veranstalten. Wenn die Getränkelage nur ausreichend ist, reicht schon die ordentliche "Zivilnarkose" aus, um unliebsame Wähler vom Wahlgeschäft abzuhalten.

Mein Gott, was für staatstragende Überlegungen Laughing
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